
ЮЛИУС ЭВОЛА
последний кшатрий темного
века, вертикальный аристократ, тамплиер великой стены
Julius Evola
FEMINISMUS UND HEROISCHE TRADITION
Von der Prämisse ausgehend, daß als Vollkommenheit das Qualitative
und Differenzierte, als Unvollkommenheit das Quantitative und Formlose anzusehen
ist, wurde bereits von gewisser Seite der Beweis versucht, der vielgepriesenen
abendländischen Kultur die Bedeutung nicht einer Evolution, sondern
eines Rückgangs, einer Involution zuzusprechen.
Heute haben verschiedene tragische Ereignisse endlich die meisten von den
Mythen eines billigen Optimismus abgebracht, so daß wir imstande sind,
die Wahrheit dieses scheinbaren Paradoxes zu empfinden. Schon seit Jahrhunderten
unterliegt die westliche Welt einem furchtbaren Vorgang der Nivellierung.
Seine politischen Erscheinungsformen - vom Liberalismus und Demokratismus
hinüber bis zur bolschewistischen Massenmenschenkultur - sind nur besondere
und schon äußerliche Phänomene. Nicht nur sind heute die
Unterschiede von Kaste und innerer Würde, denen unsere antiken Traditionen
ihre Größe verdanken, unterhöhlt: ein gleichartiger
Rückbildungsprozeß setzt als Ideal für die Zukunft, nach
vollzogener Nivellierung zwischen Mensch und Mensch, auch die Nivellierung
zwischen Geschlecht und Geschlecht. Aus demselben, in so vielen
Verfallserscheinungen der modernen Welt feststellbaren antiaristokratischen
und antihierarchischen Streben bildet sich das feministische Phänomen
heraus, dessen akutester Ausdruck aber in den beiden Ländern zu finden
ist, die sich wie die beiden Scheren einer einzigen Zange von Osten und Westen
her um unser Europa zusammenschließen: Rußland und Amerika. Die
bolschewistische Gleichberechtigung der Frau dem Mann gegenüber in jeder
sozialen, rechtlichen und politischen Hinsicht findet in der Tat
vollständige Entsprechung in der Emanzipation, die die Frau durch den
Feminismus jenseits des Ozeans schon erlangt hatte.
Eine Gegenüberstellung wird uns helfen. Um uns die, solchen modernen
Wendungen eigene, Abwegigkeit klarzumachen und gleichzeitig die Werte zu
bestimmen, die wieder zur Normalität führen könnten, werden
wir kurz auf die Lebensanschauung zurückgreifen, die allen großen
arischen Kulturen, besonders der klassischen, griechisch-römischen,
weiter nordisch-römischen Welt zu eigen war.
Der Kult der Form - der Form als Ordnungs- und Unterscheidungsgesetz - war
der Mittelpunkt einer derartigen Lebensauffassung. Die Welt ist Kosmos und
nicht Chaos, insofern sie, gleich einem vollkommenen Organismus, aus einer
Anzahl wohl differenzierter und unauswechselbarer Teile und Funktionen
herausgebildet ist. "Wahrheit", Endziel solcher Teile, ist es nicht, durch
die Auflösung ihrer Individuation zu dem Zustand zurückzukehren,
wo sie noch eins waren, sondern: immer mehr sie selbst zu sein, immer genauer
ihre Eigennatur auszudrücken bis zur Verwirklichung absoluter
Individuationen, die als Voraussetzung für die größte
Mannigfaltigkeit und Bestimmtheit des Alls aufgefaßt wurden. Auf solchem
Weg gestaltete sich auch die Grundlage für eine hierarchische Ordnung
in der Familie, der gens, der Stadt, und schließlich im Reich selbst,
eine Hierarchie, die sich nicht durch Gewalt und Unterdrückung, sondern
spontan, aus der Anerkennung der Naturunterschiede zwischen Menschen,
Geschlechtern und Rassen herausbildete.
In seiner empirischen Unmittelbarkeit ist selbstverständlich kein Wesen
nur es selbst. Entgegengesetzte Naturen tauchen auf und widerstreiten in
ihm. Ein solcher Zustand der Mischung wurde aber als Unvollkommenheit betrachtet,
als Ziel der Ethik und selbst der Asketik galt traditionell ihre
Überwindung bis zur Setzung von Typen, die nur und vollständig
"sie selbst" sind: etwa wie lebendige, von einem Künstler aus formloser
Materie gestaltete Statuen. Was nun besonders die Geschlechter angeht, so
stellen sich Mann und Frau als zwei Typen dar - und wer als Mann geboren
ist, soll sich als Mann, wer als Frau, sich als Frau vollenden, durch und
durch, im Körperlichen und im Seelischen, mit Überwindung jedwelcher
Durcheinandermischung. Auch auf dem geistigen Plan sollen Mann und Frau jeder
einen eigenen Weg beschreiten, der nicht ohne Verwirrung und Widerspruch
verlassen werden darf.
In der uns als normal geltenden Welt, wo die auf Höhen heimische Freiheit
und jene innere Kühnheit herrschte, ohne welche das Leben eine schmutzige
Angelegenheit und sinnlos ist - in einer solchen Welt galt aber als wesentliches
Merkmal der Männlichkeit die innere Genügsamkeit und Herrschaft,
das "an sich Sein", eine aus Kraft gebildete Reinheit - und diesem Ziel waren
zwei große Wege gewiesen: der Weg der Aktion und der Weg der Kontemplation.
Im Krieger, bzw. Helden, und im Asketen kamen also die beiden Grundtypen
der reinen Männlichkeit zum Ausdruck. Symmetrisch zu solchen Typen gibt
es zwei für die Weiblichkeit. Die Frau verwirklicht als solche, erhebt
sich zu demselben Niveau auf dem der Mann als Krieger und Asket steht, insofern
sie Geliebte und Mutter ist. Wie es einen aktiven, so gibt es auch einen
negativen Heroismus. Dem Heroismus der absoluten Behauptung steht der Heroismus
der absoluten Hingebung gegenüber - und der eine kann so leuchtend sein,
wie der andere, wenn er mit Reinheit, etwa wie eine rituelle Opfergabe erlebt
wird. Eben diese Doppelheit des Heroischen bestimmt den Unterschied zwischen
den Wegen zur Vollendung für den Mann und die Frau. Der Haltung des
Kriegers und des Asketen, von denen der erste durch die reine Tat, der andere
durch eine männliche Abgeschiedenheit sich in einem Leben behauptet,
das jenseits des Lebens steht - entspricht in der Frau der Heroismus des
Schwungs, wodurch sie sich gänzlich einem anderen hingibt und für
einen anderen hingibt und für einen anderen da ist, sei es ihr Mann
(Typ der Geliebten, entsprechend dem des Kriegers), sei es ihr Sohn (Typ
der Mutter, entsprechend dem des Asketen), und in solchem Verhältnis
den höheren Sinn des eigenen Lebens, ihre Freude und - im Grenzfalle
- ihre Erlösung findet. Die immer entschlossener geführte
Verwirklichung dieser beiden, getrennten und unverwechselbaren Richtungen
des Heroischen mit Beseitigung all dessen, was im Manne weiblich und in der
Frau männlich ist, bis hin zur Vollendung einer absoluten Frau
gegenüber einem absoluten Manne - dies ist das traditionsverwurzelte,
normale Gesetz für die Geschlechter.
Wir brauchen kaum anzudeuten, in welchem Gegensatz solche Ansichten zu den
nivellierenden und humanitären Grundsätzen stehen, die in den letzten
Zeiten die Moral, das Recht, die Gesellschaftsordnung, ja sogar das Ideal
des Erkennens und des Schaffens des abendländischen Menschen beherrscht
haben. Auf dieser Grundlage läßt sich auch der Geist und das Gesicht
des modernen Feminismus begreifen.
Tatsächlich war es undenkbar, daß eine Welt, die die Kasten
"überwunden" und - um uns im jakobinischen Jargon auszudrücken
- jedem Menschen seine "Würde" und seine "Rechte" wiedergegeben hat,
das Gefühl des richtigen Verhältnisses zwischen den Geschlechtern
hätte bewahren können. Die "Emanzipation" der Frau mußte
schicksalmäßig derjenigen der Sklaven und der Verherrlichung der
Standes- und Traditionslosigkeit, d.h. des antiken Paria folgen. Und man
hat eine Abdankung für eine Eroberung gehalten.
Nach Jahrhunderten der "Versklavung" wollte die Frau frei werden und für
sich selbst bestehen. Der Feminismus war aber nicht imstande, der Frau eine
andere Persönlichkeit zu verleihen, als sie die bloße Nachahmung
der männlichen geben kann. Dadurch sind ihre Ansprüche nichts als
eine Maske für eine gründliches Mißtrauen der neuen Frau
ihr selbst gegenüber: d.h. für ihre Unfähigkeit, zu sein und
zu gelten, was sie ist; als Frau und nicht als Mann. Dem Feminismus liegt
die Prämisse zugrunde, daß die Frau als solche keinen Wert hat,
daß sie nur gelten kann, insofern sie so weit wie möglich zum
Manne wird und dieselben Prärogativen des Mannes in Anspruch nimmt.
Daher ist der Feminismus ein Symptom der Entartung im strengsten Wortsinn.
Und wo die traditionsverwurzelte Ethik verlangte, daß Mann und Frau
immer mehr sie selbst werden, mit immer kühneren Prägungen das
ausdrückten, was den einen zum Manne, die andere zur Frau stempelt -
da sehen wir, daß die "modernen" Bewegungen nach Nivellierung streben,
nach einem Zustand, der tatsächlich nicht jenseits, sondern diesseits
der geschlechtlichen Individuation und Differenzierung liegt.
Andererseits: was der Feminismus auf der praktischen Ebene im Auge hatte,
war der von den Banken, Ämtern, Märkten und den anderen leuchtenden
Zentren des modernen Lebens geschaffene Homunkulus. Dem Feminismus wurde
daher der Beweis nicht schwer, daß auch die Frau mehr oder weniger
dieselben intellektuellen und praktischen Anlagen hat, die das Recht, die
Autonomie und die "Überlegenheit" des neuen, Schatten seiner selbst
gewordenen, männlichen Typus begründen. Der Mann andererseits hat
den Dingen ihren Lauf gelassen, ja er hat sogar nachgeholfen, hat die Frau
in das öffentliche Leben, in Ämter, Schule, Werkstätte und
die übrigen verderblichen Angelegenheiten der modernen Gesellschaft
und Kultur gedrängt. Dadurch wurde der letzte nivellierende Anstoß
gegeben.
Und in einer Welt, wo der Boxer, Cowboy und jüdische Bankherr anstelle
des Asketen und Kriegers als höchster männlicher Typus angetreten
sind, scheint die geistige Entmannung des modernen materialisierten Menschen
oft den alten Vorrang des aphrodisischen Weibes über den durch die
Sinnlichkeit vertierten, in sinnloser Weise für sie arbeitenden Mann
zu neuem Leben hervorgerufen zu haben. Auf der anderen Seite: die Spielarten
einer geschlechtlichen Korruption und Erbitterung, die von ebensoviel
Oberflächlichkeit begleitet ist, oder die Entartung des weiblichen Typs
sogar in seinen physischen Merkmalen, die Atrophie der naturhaften
Möglichkeiten der Frau, die Erstickung ihrer Innerlichkeit. Daher der
Typ garçonne, das vermännlichte, sportive Mädchen; leer,
unfähig jedwelchen Schwungs jenseits ihrer selbst, ja schließlich
unfähig sogar der Geschlechtlichkeit selbst: da im modernen Weib die
Möglichkeit nicht nur der Mütterlichkeit, sondern selbst der Liebe
im letzten Grunde nicht ein so wesentliches Interesse erwecken, als sonst
das Sich-schön-machen, sich mit Kleidern - oder mit so wenig Kleidern
als möglich - schmücken, das physische Training, der Tanz um des
Tanzes willen, und so weiter.
Dabei ist leicht vorherzusehen, wohin auch in materieller Hinsicht die
Verhältnisse zwischen den beiden Geschlechtern auf dieser Grundlage
münden müssen. In der Liebe, wie im Magnetischen und Elektrischen,
ist der schöpferische Funke desto größer und lebendiger,
je entschlossener die Polarität, d.h. die Differenzierung der Geschlechter
ist: je mehr der Mann wirklich Mann und die Frau wirklich Frau ist. In der
Welt der "evoluten" und "emanzipierten" Frau kann es wohl die Promiskuität
einer zweideutigen Kameradschaft, von blassen "intellektuellen" Sympathien
oder einen neuen banalen kommunistischen Naturismus geben: nicht mehr aber
die Liebe in jenem tiefen elementaren Sinn aufgefaßt, in dem die Alten
in ihr eine kosmische Urkraft erkannten.
So wie der soziale Egualitarismus die früheren männlichen lebendigen
Beziehungen zwischen Krieger und Krieger, Fürst und Untertan abgeschafft
hat, so wird gleichfalls der feministische Egualitarismus immer mehr zu einer
geschmacklos entstellten Welt führen. Die Vorhut einer solchen Welt
- Rußland und Amerika - ist bereits vorhanden und vermittelt uns die
bedeutsamsten Warnungen.
Alles steht aber im Zusammenhang, sowohl im Verfall wie in der Wiedergeburt.
Wenn von der Dekadenz der modernen Frau gesprochen wird, muß jedoch
nicht vergessen werden, daß letzten Grundes der Mann für eine
solche Dekadenz verantwortlich ist. Wie die Plebs nie in alle Gebiete des
sozialen und kulturellen Lebens einbrechen hätte können, wenn
Könige und Aristokraten wirklich fähig gewesen wären, Schwert
und Zepter in ihren Händen zu halten, so hätte in einer von wirklichen
Männern geführten Gesellschaft die Frau nie den Weg der heutigen
feministischen Entartung einschlagen können und wollen. Deshalb
müßte die wahre Reaktion sich weniger gegen die Frau, als gegen
den Mann richten. Man kann nicht verlangen, daß die Frau wieder ihrer
Natur treu werde, solange der Mann nur das Zerrbild seiner selbst kennt und
verherrlicht. Jedem äußeren Schein zum Trotz: nur im Geiste ist
das Geschlecht wahr und unbedingt. Die Reintegration des modernen Menschen
im traditionsgebundenen Sinne, d.h. im Sinne einer aristokratischen
Überlegenheit, einer asketischen und kriegerischen Würde, einer
dorisch-arischen Reinheit ist der Reintegration des männlichen Typs
selbst gleichbedeutend und - sei sie auch nur in einer Elite vollzogen -
stellt sich als unerläßliche Voraussetzung dar nicht nur für
unseren politischen Wiederaufbau, sondern auch für die Wiederherstellung
der richtigen Beziehungen zwischen den Geschlechtern, die Beseitigung der
feministischen Irrlehre im Namen eines neuen "heldischen" Stils und die
Rückkehr der Frau zu ihren naturhaften Möglichkeiten von Feuer,
Licht und befreiender Hingabe.
(aus: Der Ring, 6. Juni 1933)
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