Julius Evola

HEIDNISCHER IMPERIALISMUS

3. Der demokratische Irrtum

Der wahre Liberalismus


Prinzip und gesunde Grundlage des neuen Staates mu die organische Idee sein.
Im vorausgehenden Kapitel haben wir darauf hingewiesen, da der konkrete Begriff des Organismus dem des Zusammengesetzten widerspricht, welcher die Form eines Gesamt atomistisch freier Elemente ist, das nur durch ein unpersnliches und abstraktes Band zusammengehalten wird und sich in keinem hheren Prinzip individuiert, noch auf einem tatschlichen und wesentlichen Unterschied der Elemente beruht. Der Gegensatz, der zwischen dem imperialen Ideal und dem liberal-demokratischen Ideal verluft, ist ganz hnlich dem, der zwischen Organisation und Komposition verluft.
Unser Imperialismus fordert eine Universalitt und eine Einheit: aber nicht jene abstrakte, die einem unpersnlichen Gesetz oder einem irrationalen "kollektiven Willen" und einem internationalistischen und pazifistischen Kollaps zugehrt, sondern die, die sich in der Realitt eines hheren Individuums vergegenstndlicht und worin der Sinn des Transzendenten als Prinzip der Differenzierung und der Gliederung gilt.
Unser Imperialismus geht sicherlich ber den Nationalismus hinaus: ist jedoch der demokratische bernationalismus der einer Minderung und eines Untergeordnetwerdens der nationalen Bejahung, welche vielen anderen nationalen Bejahungen unterschiedslos beigestellt wird, so ist die imperiale und rmische bernationalitt die einer nationalen Bejahung, welche durch eine Gruppe von Herrschern sich jenseits ihrer selbst wieder behauptet in einer hheren Synthese, sei es gegenber ihr oder anderen Nationen, die sie wieder unter sich nimmt.
Wie seltsam es auch scheinen mag, unser Imperialismus fut auf Werten, die auch die Voraussetzung fr die liberalen Formen der Demokratie abgeben mchten. Die Werte der Freiheit und der Unabhngigkeit stehen in der Tat im Mittelpunkt der besten arischen Traditionen. Edel, nach der urgermanischen Tradition, und dann in der Ordnung der mittelalterlichen Kulturen selbst, war gleichbedeutend mit frei. Die erste rmische Verfassung fut auf der Idee der patres, den Priestern, Fhrern und obersten Richtern ihrer Vlker, die frei sind wie ebenso viele Welten in einer Welt. Friedrich II. wird sagen: "Ich bin nur Knig, solange ich frei bin." - Gleichheit im Wort, radikaler Gegensatz im Geiste.
Der Unterschied liegt darin, da im Liberalismus diese Werte ein Sklawengeschlecht bejaht, das nicht wagt, sie zu Ende zu denken und zu wollen fr und in Individuen, sondern sie illegitim und gleichmacherisch zur "Gesellschaft" und zur "Menschheit" hin verrckt, womit sie ihre ursprngliche Bedeutung verlieren und zu Irrtmern werden.
Seiner Behauptung nach hat dieses Geschlecht - zufolge des ersten seiner "ewigen Grundstze" - das Zeitalter der Freiheit begrndet. In Wirklichkeit ist es damit nichts. Es wei nicht, was die Freiheit ist. Wte es darum, so wte es auch, da die Freiheit wollen ein und dasselbe ist wie das Imperium wollen.
Sehen wir genauer zu: die Freiheit duldet keine Kompromisse: entweder man bejaht sie, oder man bejaht sie nicht. Bejaht man sie aber, so mu man sie furchtlos bis zu Ende bejahen - d. h. man mu sie bejahen als unbedingte Freiheit.
Das begriff vollkommen, wer behauptete, da sich frei nur ein einziger heien kann. Mehr freie Wesen knnen sich gegenseitig nur begrenzen und verneinen - es sei denn, da im Innern eines jeden von ihnen ein Gesetz vorwaltet, das ihr Tun nach einer Art vorbestimmter Harmonie ablaufen lt.
Da nun ein Gesetz durch den Umstand, da es ein inneres ist, nicht aufhrt, ein Gesetz zu sein, und das es auerdem hypthetisch etwas ist, das ber den Bewutseinsbereich eines jeden Individuums hinausgehen wird, so hat man auch in diesem Falle nur einen Schein von wahrer Freiheit.
Es drngt sich somit die folgende Alternative auf: entweder den Anspruch verringern und damit den Wert verflschen, die Freiheit verneinen, um die vielen einzelnen, atomischen Freiheiten bestehen zu lassen, gezhmt und mechanisiert in einem gegenseitigem Sichbegrenzen (liberaler Demokratismus), oder aber unnachgiebig bleiben und sich fr das Ideal eines Wesens einsetzen, das - indem es durch innerliche berlegenheit aufhrt, eine unter den vielen anderen Krften in jenem dynamischen System darzustellen, das die soziale Wirklichkeit ist - sich in dem realisiert, was, als Bestimmer des Gesetzes dieser Wirklichkeit selbst, frei vom Gesetz ist; als welches dann nur fr die anderen Gesetz und Autoritt sein wird. Was heien will, da die Freiheit nur soviel Wirklichkeit hat, als das Imperium Wirklichkeit hat.
Ein Imperium, das also zu verstehen ist gem der herangezogenen Analogie eines Krpers, der eins geworden ist durch die beherrschende Synthese einer Seele. Die Einheit, in welcher ein solcher Krper konvergiert, ist - zum Unterschied von der eines seelenlosen - ein hheres Prinzip, das Anfang und Ende in sich selbst hat; das nicht fr die Bedrfnisse des Krpers da ist, sondern dem der Krper als Werkzeug dient; das nicht vom Krper hervorgebracht wird, sondern umgekehrt, im Sinne, da die Seele der Endzweck ist, das zutiefst organisierende Prinzip des Krpers selbst, der ohne sie sich auflsen wrde (Aristoteles).
Dementsprechend ist zu sagen, da das Oberhaupt als Trger des Freiheitswertes nicht der bloe Vertreter der Massen sein wird (demokratische These), das unpersnliche Symbol einer mythischen Selbstorganisation, zu der jene schon fhig wren, sondern umgekehrt: die Massen werden Ordnung und Form bekommen nur dank dieser hheren Kraft, die sich qualitativ von den anderen Krften unterscheidet und der sie mhsam Ausdruck zu geben versuchen. Und diese Kraft, weit entfernt davon, fr die Massen da zu sein, wird jenen weiteren Horizonten, die sie allein abstecken kann, das Interesse der Massen unterordnen; ohne jemandem das Recht einzurumen, sich ihr Gesetz besttigen zu lassen, das nicht Gesetz ist, weil es recht ist, sondern das Recht ist, weil es Gesetz ist und ihr Gesetz ist (im geraden Gegensatz zu den demokratischen Prinzipien einer Sanktion durch das Volk und einer Verbeugung des Vertreters vor abstrakten "Grundstzen" oder vor dem, was man fr das Allgemeininteresse hlt). Andernfalls wre die Spitze nicht ein freies Wesen, sondern der erste der Diener, nicht etwas Geistiges, sondern die Stimme des Krpers.
Leider wei man heute nicht mehr, was Freiheit ist, noch wagt man sie zu Ende zu denken. Leider gibt es heute fast keinen mehr, der zu befehlen oder zu gehorchen verstnde. Das Risiko der absoluten Verantwortung und der absoluten Hingabe ist gnzlich zurckgewichen hinter der Mittelmigkeit der mechanisierten Kollektivitt.
Und man wagt dem Zeitalter der Freiheit und des Liberalismus Krnze zu winden, rhmt die Abschaffung der Sklaverei, ohne zu begreifen, da es Freiheit nur dann geben kann, wenn es Herren gibt gegenber von Sklaven, wenn es stolze Fhrernaturen gibt und Massen, die khn und groherzig jenen ihr Leben und ihr Schicksal berlassen; ohne zu begreifen, da die Abschaffung der Sklaverei nur ein Geschlecht von Sklaven gewollt haben kann, die Sklaven geblieben sind, auch als die Ketten zerrissen und die Hierarchien umgestrzt waren, insofern ihr Bedrfnis zu dienen und abhngig zu sein neue und weit schlimmere Tyrannen schuf: auf der einen Seite den semitischen Richter-Gott der Vorsehung und der Gnade, auf der anderen das Gold und die "ffentliche Meinung" - Instrumente der jdischen Verschwrung; den Fetisch des unpersnlichen sozialen Gesetzes und der moralischen Unduldsamkeit der protestantischen Nationen; den allmchtigen Massenmenschen des Bolschewismus.

(Erschienen 1933 im ARMANEN-VERLAG, Leipzig; Deutsch von Friedrich Bauer. Die Originalausgabe erschien 1928 bei ATANOR, Todi.)



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